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Zu Hause.

Übergepäck, Bauchkribbeln, Tränen, Aufregung, Aufregung, Aufregung, und letztendlich ist Yovo gelandet.

Deutschland.

Alles neu und gleichzeitig alles wie immer.

Geliebte Menschen, ein volle Kühlschrank, lecker Essen, Ordnung, gereglete Straßen, geschlossene Häuser, Sauberkeit und Beton, ein kuschliges Bett, KÄLTE…

Ich genieße und staune und war doch eigentlich nie weg.

Was sollen die Fragen, „und wie wars“ und „erzähl doch mal“, wo anfangen? was wollt ihr hören? Geschichten von wilden Schwarzen, Elefanten und niedlichen Kindern? Alles erstmal langsam, für résumées und große Beteuerungen, was man doch alles gelernt und erlebt hat, dafür ist es zu früh.

Erstmal eine warme Dusche!

Und der Klischeeblog hat überlebt und liegt jetzt wohl im Sterben. Merci d’avoir toujours suivi ce que la petite yovo faisait au Bénin.

N’oubliez jamais: Ca va aller!

Sie ist weg… WEG!

Anja alias Madame Yovo aka. Tata Anniiiii hat Dogbo verlassen.

… ein letztes Mal den Weg durchs Dorf und über den Markt gemacht.

… ein letztes Mal echte Dogboer Bohnen gegessen.

… ein letztes Mal dreckige Wäsche mit der Hand gerubbelt.

… ein letztes Mal mit Freunden um einen großen Teller Pate gesessen und mit den Händen ordentlich zugelangt.

… ein letztes Mal mit den Kolleginnen den PC verflucht.

… ein letztes Mal eine Ladung bei der Schneiderin geholt.

… ein letztes Mal zu viel ekligen Sodabi getrunken.

… ein letztes Mal verweigert, die Handynummer rauszurücken.

… ein letztes Mal mit weißem Blüschen durchs Krankenhaus gezogen.

… ein letztes Mal lieben Menschen „au revoir“ gesagt.

Und da bin ich in Cotonou. Ein komisches Gefühl, wo man doch eigentlich schon gegangen ist, und trotzdem noch bleiben muss, um zu evaluieren, administrative Tätigkeiten zu klären, es irgendwie zu schaffen, das Übergewicht des Gepäcks zu reduzieren und letzte LETZE DINGE in Benin zu tun.

C’est fini.

Mais, ca va aller!

Die Gedanken schweifen…

… und der Kopf ist schon so oft woanders. Dabei ist doch eigentlich alles wie immer hier. Dogbo Life- gestern mit viel lauter Musik, Essen und Schnaps, weil der Tag gefeiert wurde, an dem der Stamm der Aja den Stamm der Fon einst von hier vertrieben hat.

Und trotzdem.

Zu viele Gedanken.

Zu viele Gefühle.

Zu viele Eindrücke.

Zu viel Einbildungskraft.

Irgendwo muss das alles hin. Wenn schon Klischee- Blog, denn schon Klischee- Blog. Diesmal inspiriert von einigen klugen Passagen aus J.-P. Sendkers „Das Flüstern der Schatten“:

Schreiben hilft wirklich. Es hilft gegen Einsamkeit. Es hilft gegen Angst. Gegen den Terror des Vergessens. Gegen die Melancholie des Alltags. Es besitzt eine geradezu magische Kraft.

Das ist wahr.

Wo ist die Zeit hin? Man kann nicht sagen, dass sie immer schnell vorbei ging.

Der Gedanke nach Hause zu kommen ist so absurd. Gleichzeitig das Größte. Und dann wieder so irreal.

„Die andere Welt“, so weit weg von allem was hier passiert. Und gleichzeitig allgegenwärtig.

Als könnte man Erinnerungen einmauern.

Als könnte man sie wegbetonieren und zupflastern.

Als könnte man seinen eigenen Schatten hinter sich lassen, wenn man nur schnell genug liefe.

Vielleicht wäre es so manchmal leichter gewesen.

Aber es war letztendlich nie das, was ich wollte. Altes Vergessen? Warum, wenn es ein Teil von mir ist?

Manches kann man nicht festhalten, manches verblasst. Aber ich musste nicht ständig mit euch reden oder euch sehen, um bei euch zu sein und euch genauso bei mir zu wissen.

Und deshalb freue ich mich unbeschreiblich, in weniger als 2 Wochen nach Hause zu kommen.

Doch genauso schwer ist es, das alles hier zurückzulassen.

Oder eben anders schwer. Komisch.

Eine Welt, die zu Hause niemand kennt.

Eine Welt, die so anders und aber auch so vertraut ist.

Und das Merkwürdigste:

Eine Welt, von der man nicht weiß, wann man sie wiedersehen wird.

Doch tief drinnen ist es ok, zu gehen.

Auch wenn der Gedanke ans Nach Hause Kommen nicht nur Freude sondern auch Angst macht. Gehört wohl zusammen.

Nur Kinder glauben, der Mond habe keine erdabgewandte Seite.


Es wird schon gut werden, wenn nicht sogar sehr gut!

Glauben und Hoffen. Wieder und wieder.

Als wäre Vertrauen etwas für Dumme

Als hätten wir eine Wahl.

Danke.

La vie à Dogbo

Und da waren es auf einmal nur noch zwei Wochen…dann werde ich Dogbo zunächst für immer hinter mir lassen.

Schon länger hatte ich vor, Dogbo und alles was man hier geht und steht mal zu zeigen… aber mein Blog verweigert immer noch das Hochladen der vielen Bilder, die ich in den letzten Wochen extra im Dogboer Alltag gemacht habe…

Im Allgemeinen passiert nicht viel hier.

Mein Haus ist verglichen mit den letzten Monaten sehr still geworden. Wo man sonst immer Musik, Kindergeschrei oder heiße Diskussionen gehört hat, ist es jetzt still, die Türen sind geschlossen, Ferien.

Es kommen kaum noch kleine Kinder oder geschwätzige Nachbarn in meine Wohnung gelaufen (die Hühner und Ziegen bleiben dafür aktiv wie immer!).

Ich gehe immer noch regelmäßig ins Krankenhaus und ins Büro meiner ONG, wobei meine baldige Abreise immer mehr zum Thema wird.

Was du gehst schon?

Das war aber viel zu kurz!

Neeeee, das Flugzeug halten wir auf!

Warum bleibst du nicht noch fünf Jahre?

Und was schenkst du uns zum Abschied?

Und auch „Frischfleisch“ aus Deutschland ist eingetroffen, Peters Nachfolger hat schon sein Quartier in Dogbo bezogen.

Das bringt einen zum Schmunzeln. Das führt so ungewohnt klar vor Augen, was man alles schon als selbstverständlich nimmt. Was man in dieser Zeit hier alles schon gelernt und akzeptiert hat.

Ich sehe und höre Taten und Fragen, die ich vor Monaten selbst noch getan und gestellt habe.

So bleiben die letzten zwei Wochen und die Gedanken gehen immer mehr zum Ende hin.

Was muss ich noch tun?

Was will ich noch mitnehmen?

Was lasse ich hier?

Wie räume ich meine Wohnung, wohin kommen meine Möbel?

Wen muss ich unbedingt noch mal sehen?

Aber um ehrlich zu sein, ganz so überbeschäftigt bin ich doch noch nicht.

Es bleibt immer noch viel Zeit.

Und das ist gut so.

TO GO TO TOGO (3)

Weiter durchs Grüne

Ab ins Grüne.

Berge, exotische Pflanzen, viiiele Bananen, Wasserfälle, Schmetterlinge und wir als professionelle Schmetterlingsjäger, schmerzende Waden, ein bisschen kränkeln, Sonne und dann doch wieder Wolken, neue Entdeckungen…

Und so ging dann auch die Zeit in Kpalimé zu Ende und wir reisten noch einmal für ein paar Tage nach Lomé…

… in ein anderes Leben.

Ein Bekannter von einem Bekannten lud uns ein diese Zeit in seinem Villa-ähnlichen Haus in Lomé zu wohnen.

Von Plumpsklo, morgens Wasser aus dem Brunnen schöpfen, Eimerdusche, sich zu dritt in ein enges Bett oder auf den Boden quetschen, Essen was einem eben so über den Weg läuft hinein ins fremde Luxusleben mit einem Riesengästezimmer mit richtigem Badezimmer, einer Art Haushälter-Freundin des Gastgebers, die unaufgefordert dreimal am Tag dick kocht, einfach mal eben so unsere von den Wandertouren versauten Schuhe auf Hochglanz bringt, das Zimmer putzt und und und.

Und alles wie selbstverständlich.

Zwischendurch wird geshoppt, man promeniert sich, aalt sich am Strand, leert die letzten Überbleibsel des heiligen Aja-Guts und geht tanzen.

Auch das ist wohl Afrika.

Und ich ärgere mich immer noch, dass es nicht mehr funktioniert, Fotos hochzuladen…

Zurück….

Alles in allem war dieser Togotrip wohl keine super organisierte Togorundreise, bei der man in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu sehen bekommen hat.

Und trotzdem haben wir wohl einiges von Togo gesehen.

Und festgestellt: Eigentlich ist es genauso wie Benin. Vielleicht an manchen Stellen etwas abgewrackter, vielleicht an manchen Stellen aber auch ein wenig entwickelter, vielleicht an manchen Stellen ein wenig korrupter, vielleicht an manchen Stellen etwas grüner….

Und doch: Man lebt ein ähnliches Leben, man bekommt die gleichen Produkte zu kaufen, man isst ähnlich, man kommt sogar mit der beninischen Lokalsprache durch, weil alles eben so ähnlich ist.

Und so ging es nach einigen nervigen Formularen und Gesprächen mit dreisten Grenzbeamten wieder über die Grenze in die „Heimat“, wo sich die Equipe nach zwei Wochen innigen Zusammenhalts dann auch wieder trennte.

Konrad, unser Schlüsselchef und Sparfuchs, wieder ab in den Norden.

Peter, le grand frère und Verwalter, ganz zurück in die Heimat.

Und ich, Prinzessin und gleichzeitig Mama der Truppe, bin hier für meine letzte Zeit in Dogbo.

Große Schulferien. Viele verabschieden sich jetzt schon, weil sie in dieser Zeit in ihre Heimatorte zurückkehren. Die Armeen, Gruppen und Vereine marschieren heute zum Nationalfeiertag, ganz Benin feiert das 50jährige Unabhängigkeitsjubiläum. C´est la fête !

Und auf einmal ist August.

Und die Tage sind gezählt.

TO GO TO TOGO (2)

Vom Kampf ums richtige Visum

Weiter gings Richtung Hauptstadt. Da Togoville am nächsten Morgen noch genauso wenig zu bieten hatte wie am Tag zuvor, entschieden wir uns schnell für eine Pirogge, die uns an das südliche Ufer des Lac Togos brachte, von wo aus es mit dem Taxi ab nach Lomé ging.

Der erste Aufenthalt dort war eher stressig und erzwungen als irgendein urlaubmäßiges Genießen… das richte Amt suchen, warten, warten, warten, sich von Macho-Beamten behandeln lassen als wäre man dumm, Formulare zum x-ten Mal ausfüllen und immer wieder unter die Nase gerieben bekommen, dass dein Gegenüber am längeren Hebel sitzt und dir, wenn du nicht immer schön nett lächelst, mal ganz schnell eins reinwürgen kann…

Ergebnis: Eine Nacht in Lomé verbringen, um auf die Visumsverlängerung zu warten.

So konnten wir immerhin schon mal ein bisschen Lomé erkunden, was, verglichen mit dem stressig, dreckig-versmogten Cotonou, einige wirklich schöne Ecken hat. Und wenn man dann noch gut und billig an jeder Ecke leckere Dinge findet, ist die Equipe auch wieder versöhnt…

Am Nachmittag des nächsten Tages hatten wir es dann endlich in der Hand: Das richtige Visum für den zweiwöchigen Aufenthalt!

Ab gen Norden

Und weiter gings nach Notsé, gen Norden, wo es eigentlich auch überhaupt nichts gibt außer einen netten Freiwilligen, der uns beherbergte und mit uns ein dickes Fufu essen gegangen ist.

Fufu ist in Togo das, was in Benin Ignam Pilée ist. Gestampfter Ignam, auch mal variiert mit Maniok. Zusammen mit einer leckeren Soße echt lecker. In Notsé gabs dazu noch lecker Fleisch von der Buschratte.

Nächstes großes Ziel: Kpalimé, im Südwesten Togos, nahe der ghanaischen Grenze.

Von Notsé nach Kpalimé fährt jedoch nur einmal am Tag ein Buschtaxi über eine bucklige Sandpiste. Wie immer: Schlechte Straße, überladenes Taxi, Panne.

Und diesmal nicht mal ein Wagenheber an Bord. Aber zu dritt geht das Warten mitten im Busch auch schneller rum….

Letztendlich waren wir dann doch dort, wo unsere Reise eigentlich hingehen sollte: In den „Bergen“ Togos. Endlich mal wieder Berge sehen, dazu noch alles herrlich grün. Und gleich findet man interessante Neuheiten wie rote Bananen und andere neue Früchte.

Unser eigentlicher Aufenthalt in Kpalimé begann dann leider erst mal mit einem richtigen Regentag, sodass wir nicht viel unternommen haben.

„Hoch“ hinaus

Sobald man das Haus wieder verlassen konnte, startete die Equipe zur Tour auf den höchsten Berg Togos. Ok, verglichen mit anderen Bergen, sind die 942m des Mont Agou nichts…wir waren trotzdem einen ganzen Tag auf dem Berg unterwegs, durch Wälder, wunderschön gelegene Gebirgsdörfer, Kakaoplantagen, urwaldähnliches Gestrüpp und schließlich auch Regen- und Nebelwolken.

Der Gipfel hing nämlich leider in einer dicken Wolkensuppe, was uns jedoch nicht davon abgehalten hat, bis nach oben weiter zu marschieren. Auf dem Weg dorthin wurde alles gegessen was zu finden war: Kakaofrüchte (superlecker!), Bananen, Fufu bei einem netten alten Mann in einem Dorf, geröstete Kakaobohnen… Die mysteriösen Beamten auf der Gipfelstation, die für die letzten paar Meter Geld verlangt haben, waren dann mit einem echten Dogboer Sodabi und einem netten Lächeln auch schnell zu befriedigen und so konnten wir ein stilechtes Gipfelfoto schießen, auch wenn man sich den Ausblick hinter uns, der bis zur Volta-See-Region in Ghana reichen soll, eben dazudenken musste, weil nichts zu sehen war als eine dicke Wolkenwand.

Der Abstieg war eine ziemliche Rutschpartie, aber schlussendlich sind wir dann doch wieder heil, wenn auch nass, völlig verdreckt, voller merkwürdiger roter Pusteln auf der Haut und totmüde, zurückgekommen.

TO GO TO TOGO (1)

Da sind sie auch schon vorbei, die zwei Wochen im Toggoland.

Drei Yovos, drei Rucksäcke, eine Flasche original Aja-Dogbo-Sodabi und ein Haufen dummer Humor machten sich auf die recht ungeplante Reise, die dann auch von einigen Pannen, vor allem aber schönen und lustigen Erlebnissen geprägt war.

Das ganze lässt sich wohl am besten Etappenweise beschreiben.

Au revoir, la giraffe d´Allemagne !

Rucksäcke gepackt, Urlaub beantragt… dann natürlich Abschied nehmen von Dogbo. Für Peter, la giraffe, nicht nur für diese zwei geplanten Reisewochen, sondern endgültig.

So ging es an unserem letzten Abend in Dogbo nicht nur darum zu verfolgen, ob Spanien oder Holland den Cup davonträgt, sondern vor allem noch mal mit allen möglichen Freunden und Fans de la giraffe zu essen, trinken, feiern und natürlich letzte gemeinsame Fotos zu schießen.

Aus mir unerklärlichen Gründen kann ich aber immer noch nicht wieder Bilder auf den Blog laden. Je suis désolée.

L´équipe s´en va

Ab ins Buschtaxi zum nicht weit von Dogbo gelegenen Mono, der an der ebenfalls nicht weit von hier gelegenen Grenze zwischen Benin und Togo fließt.

Erst nach Cotonou fahren, das Visum dort in der Botschaft holen und dann direkt mit dem Bus rüberfahren? Langweilig. Umständlich.

Wir haben uns lieber hier um die Ecke in eine Pirogge gesetzt und uns über den Fluss nach Togo schippern lassen. Dumm nur, dass sich die beninischen Beamten auf der beninischen Flussseite geirrt und wir somit auf der togolesischen Flussseite kein Visum bekommen haben.

Da war die Equipe also in Togo. Ohne Visum.

„Brauchen wir überhaupt noch ein Visum? Wir sind doch schon da…“

„Na ich will das doch im Pass haben und zu Hause angeben!“

„Ganz ehrlich, mit dem Geld, das wir dabei haben, können wir auch ganz Togo bestechen…“

Die Vernunft hat gesiegt und wir sind eben doch noch runter in den Süden zur großen Grenze zwischen Benin und Togo gefahren, um ein Visum zu holen. Das war dann aber immer noch nicht das, was wir für 2 Wochen benutzen konnten….Fortsetzung folgt.

Und so ging es erst mal nach Togoville, verschlafenes Dorf am nördlichen Ufer des Lac Togo.

Was es dort gab? Laut Reiseführer ein Haufen Kultur und Vodoo. In der Realität: Eigentlich nichts. Und trotzdem hat uns sofort jemand ins „Maison Royale“ geführt und uns Ewigkeiten vertröstet, der Prinz würde gleich kommen. Aha, na wenn es einen Prinzen gibt, der uns zu sich einlädt, da sagt man doch nicht nein…

Als nach einer Stunde warten der mysteriöse Prinz immer noch nicht aufgetaucht war, sämtliche andere Typen sich ebenfalls als Prinz ausgegeben („mais il a beaucoup des frères, le prince!“) und dabei unseren Schnaps getrunken haben und uns dann auch noch eine überteuerte Unterkunft andrehen wollten, haben wir dann auch gemerkt, dass es wohl besser sei zu gehen. Wohin? Keine Auberge, nur ein entlegenes überteuertes Hotel… aber ein netter Priester, der uns mal eben im Kloster beherbergt, das letztendlich besser ausgestattet war als die meisten öffentlichen Unterkünfte.

Offenheit, gutes Essen und Gastfreundschaft: Auch in Togo trifft man einfach mal so auf gute Menschen.

Endzeitstimmung

…stellt sich schleichend ein. Und zwar nicht nur weil die WM zu Ende geht.

Das große Ende kommt immer näher in Sicht und ist doch eigentlich noch fast zwei Monate entfernt.

Und trotzdem. Der Blick schweift in weitere Ferne. Und man beginnt sich so sehr zu freuen. Und gleichzeitig zu reflektieren. War es das? Und wenn ja, wie war es? Auf und ab und auf und ab, und wo ist das Ergebnis? Gibt es überhaupt eins?

Man lernt zu leben und dieses Leben beginnt man auch bald zu lieben. Man sieht Freundlichkeit und liebenswerte Menschen, man spielt mit lachenden Kindern und genießt die einfache Selbstständigkeit. Man lernt zu akzeptieren und schlussendlich zu genießen.

Und dann brechen sie wieder über einen herein, die kleinen, ungeliebten Dinge, die kleinen Monster, die einen dazu bringen alles mit entnervten Augen zu sehen. Sie schreien, sie starren dich an, überall, bei allem was du tust, sie reden über dich, sie verdoppeln für dich die Preise, sie lachen über dich, und all das so offensichtlich, dass du auf Grund dieser Dreistigkeit nur noch schreien willst. Freiheit? Nicht.

Man ist und bleibt der Fremde. Du bist anders.

Um den weitaus wortgewandteren Filipino Simon zu zitieren: „Einfach so über eine Straße gehen. Einfach so herumsitzen. Einfach so im Park liegen und das Leben beobachten. Einfach so. Einfach so. Ich habe gelernt, dass „einfach so“ nicht einfach so selbstverständlich ist. „

(http://poetry-rock.blogspot.com/2010/06/einfach-so.html)

Und trotzdem gehört es irgendwie alles dazu. Dazu zu diesem Daheim, in dem man sich doch eigentlich gelernt hat wohl zu fühlen.
Die Straßen, die Menschen, die „Arbeit“ , selbst die immer mal wieder aufkommende Eintönigkeit und auch gelegentliche Einsamkeit sind einem vertraut.

Und all das bleibt bald zurück.

Und was kommt danach?

Es wird einem fehlen. Dabei fehlt einem doch auch hier so Vieles. Und vor allem VielE.

Es bleiben die Träume von einer längst vergangenen Vergangenheit, die in Träume von einer Zukunft übergehen, die einem sowieso unbekannt bleibt.

Aber träumen ist natürlich erlaubt.

Doch die Hauptsache bleibt das Leben an sich. Und das Genießen.

Das setzt sich fort im Dogboer Alltag aus Ruhe, gelegentlicher Arbeit, Sonne, Lachen, Stille, Fußball, Lärm, Essen, Eintönigkeit und gleichzeitig so viel Abwechslung.

Und bald wird das ganze von einer noch größeren Abwechslung unterbrochen: Der Urlaub ist beantragt, sobald der Fußballwahn vorbei ist, steht die Reise nach Togo vor der Tür.

Und das alles während die Uhr tickt, die Spannung steigt und ein weiterer neuer, unbekannter Abschnitt näher rückt.

Ils sont forts, eeeh?

Mehr muss man dazu ja fast nicht sagen.

Vom Drama am Freitag direkt in Jubelstimmung am Samstag.

Afrika ist draußen, Benin trauert um Ghana und beschimpft Schiedsrichter, Gegner, die mal eben mit der Hand ein Siegestor verhindern und hat dann aber gestern fleißig für Deutschland gebrüllt. Im Brüllen ist man hier generell sehr gut, zusammen mit ca. 200 männlichen Fußballfanatikern das Ghana-Spiel im kleinen, alten Kino zu verfolgen, ging mir ziemlich auf die Trommelfelle.

Und weiter gehts, jetzt werde ich hier mit „felicitations!“ und “ vous allez prendre le Cup maintenant!“ begrüßt.

Leider hat meinPc, wordpress oder was auch immer etwas dagegen Bilder hochzuladen, so bleiben die Dogboer Fanbilder also erstmal unter Verschluss!

Back in Dogbo City!

Zurück in Dogbo, wo mich erstmal ein kaputter PC und eine mehrtägige Internetflaute erwartete… aber da bin ich wieder!

Das wohl letzte mal für mich im beninischen Norden war die Reise wie immer wert: Die herzliche Familie der Nord-Freiwilligen, eine Menge leckeres Ignam Pilé, schöne Landschaften, Stoffe, neue Haare, Schokokuchen und Spaß.

Diesmal hat es auch mit meinem Dienstprogramm dort besser geklappt. Ich war drei Tage mit klimatisiertem Geländewagen in der Pampa des beninischen Nordens unterwegs und habe ein paar Frauengruppen besucht. Im Auto kam als erstes mal die Aufforderung: „Legen sie bitte den Sicherheitsgurt an!“ What? Anschnallen? Was ist das bitte….das mache ich seit Monaten nicht mehr;) Die Arbeit meines Projekts dort unterscheidet sich sonst nicht wirklich von dem, was hier geschieht. Und es wird einem mal wieder bewusst, was für ein kleiner Teil der Menschen hier so lebt, wie ich es tue, in einer „Stadt“ mit Markt und allem und wie viele Menschen im Gegensatz dazu auf diesen Hunderten kleinen Dörfern wohnen, die eigentlich nur aus ein paar Lehmhütten und Feldern bestehen, ohne Strom, mit Glück mit einem Brunnen in der Nähe…

Es ist immer noch für mich erstaunlich wie gastfreundlich die Menschen überall sind. Die drei Tage, die ich dort auf den Dörfern verbracht habe, wurde ich zusammen mit dem Kollegen, mit dem ich unterwegs war, immer zum Essen bei irgendwelchen wildfremden Menschen eingeladen. Und das mindestens zweimal am Tag. Ohne wenn und aber. Einfach aus Freundlichkeit!

Und kaum zurück von diesem Trip ging es los mit der WM. Die Stimmung hier ist super, auch wenn man mittlerweile von der Leistung der afrikanischen Mannschaften etwas enttäuscht ist. Aber in Dogbo gibt es jetzt schon zwei Spots wo man kostenlos die Spiele auf einer Leinwand verfolgen kann, und ansonsten geht man einfach zu Menschen, die einen Fernseher haben, denn auf jedem Fernseher hier läuft momentan einfach nur Fußball. Wenn man durch die Straßen läuft sieht man immer wieder Männertrauben (ich glaube ich bin die einzige Frau in Dogbo die als mal ein Spiel schaut!) um einen Fernseher, oder man steckt mal eben den Kopf in eine Hütte oder eine Buvette, um den Spielstand zu erfragen. Deutschland wird schon als heißer Favorit gehandelt und Peter und ich geben unser bestes neue Fans zu gewinnen. Und achja, weil ich immer wieder gefragt werde, die ominösen weltweit verbreiteten Tröten, die angeblich so einen Krach machen, gibt es hier nicht!

Hier ein paar erste Bilder, weitere folgen ( wenn der Pc überlebt!).

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